Das Scharbockskraut bekämpfen?

Scharbockskraut, auch Feigwurz oder Frühlings-Scharbockskraut genannt

Letztes Jahr habe ich erstmals einen richtiggehenden „Scharbockskraut-Tsunami“ in unserem Garten erlebt. Der Bodendecker mit den gelben Blüten, der mir vorher nie so bewusst aufgefallen war, wuchs plötzlich überall. Was ist das für ein Kraut? Wird es meine anderen Pflanzen verdrängen? fragte ich mich. Beim Googeln fand ich viele Beiträge von Gartenbesitzern, die nach Hilfe bei der Bekämpfung dieser wüchsigen Pflanze suchten. Manch einer rufte gar verzweifelt nach der Chemiekeule.

Alte Heilpflanze gegen Skorbut

Ich las aber auch viel Spannendes. So leitet sich der Name von der früheren Bezeichnung für Skorbut ab (Scharbock). Vor allem bei Seefahrern war Skorbut eine gefürchtete Krankheit, denn sie litten oft unter Vitamin-C-Mangel. In den saftig-grünen Blättern des Scharbockskrauts, die reich an Vitamin C sind, fanden sie Besserung - und so erhielt die Pflanze ihren Namen.

Die Blätter des Scharbockskrauts sind vor der Blüte essbar, z.B. als Blattsalat. Sobald jedoch die gelben Knospen erscheinen, sollte man die Blätter nicht mehr essen, da sie dann leicht giftig sind.

Zeigerpflanze für nasse Böden

Das Scharbockskraut ist ein Indikator für schwere und nasse Böden. Tatsächlich wächst es in unserem Garten vor allem dort, wo es am feuchtesten ist. Unser Boden ist generell sehr lehmig, weshalb sich die Pflanze wohl bei uns auch so gut ausbreiten konnte.

Pollenlieferant für Hummeln und Bienen

Ganz wichtig für mich sind Pflanzen, die Bienen und Hummeln Nahrung bieten. Ich achte darauf, dass die fleissigen Insekten möglichst das ganze Jahr über Nektar und Pollen in unserem Garten finden. Da kommt mir das Scharbockskraut sehr entgegen, denn es blüht früh und hält eine grosse Menge Pollen für Bienen und Hummeln bereit.

Wildbiene besucht die Blüte des Scharbockskrauts

Im Mai/Juni zurück unter die Erde

Im Frühsommer, also ca. Mai/Juni, zieht sich das Scharbockskraut wieder unter die Erde zurück und ist nicht mehr zu sehen. Die Brutknöllchen sind dann voll ausgebildet, aus denen im Frühling wieder neue Pflanzen wachsen.

Scharbockskraut, Wurzel mit Brutknollen

Kein Grund, das Scharbockskraut zu bekämpfen

Ich finde, es gibt wirklich keinen Grund, das Scharbockskraut zu bekämpfen, schon gar nicht mit der Chemikeule. Im Gegenteil, es ist sogar nützlich. Spätestens im Juni ist die Vorstellung sowieso vorbei und das Scharbockskraut überlässt die Bühne wieder den anderen Gartenpflanzen.

So bin ich dankbar, dass es sich bei uns angesiedelt hat und bereits wieder für einen Farbtupfer im Garten sorgt!

Scharbockskraut, Blüten und Blätter

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